2019/03 Blühstreifenaktion - mach mit 2019

Nach dem großen Erfolg des Vorjahres sorgen neue Angebote für noch mehr blühende Insektenlebensräume
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Familie Radner präsentieren mit Stolz ihre Blühfläche - das Buffet ist eröffnet. Bienenzentrum OÖ © Bienenzentrum OÖ
Wie schon im Frühjahr 2018 rufen auch heuer das Bienenzentrum OÖ und der Maschinenring OÖ wieder zur gemeinsamen Biodiversitäts-Aktion „Blühstreifenaktion – mach mit“ auf. Das Anlegen von Blühmischungen auf Ackerrandstreifen ist die effizienteste Methode, um Honigbienen, Wildbienen und blütenbestäubende Insekten im Hoch- und Spätsommer zu unterstützen.

Blütenangebot das ganze Jahre hinweg

„Es gibt aber auch noch viele andere Flächen, die alle Voraussetzungen zur Bienenweide erfüllen, daher wird die Aktion heuer ausgeweitet und ein spezielles Paket für Gemeinden, Gewerbegebiete und Privatpersonen wird angeboten“, erläutern Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker, sowie auch Landesobmann des Maschinenrings Gerhard Rieß anlässlich des Saisonstarts der „Blühstreifenaktion – mach mit 2019“.
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Ortsbauernschaft, Gemeinde und Imker tragen gemeinsam zur Verschönerung des Ortsbildes der Stadt Leonding bei. Bienenzentrum OÖ © Bienenzentrum OÖ
Gerade in der Zeit der Läppertracht von Juli bis September ist es enorm wichtig, noch ausreichend und qualitativ hochwertige Nahrungsgrundlagen zur Verfügung zu stellen, damit die Bienen gestärkt in den Winter gehen. Von einer Läppertracht spricht man, wenn es keine Massentracht mehr gibt und das Pollen- und Nektarangebot langsam und kontinuierlich zurückgeht. Für die erfolgreiche Überwinterung der Bienen ist diese Phase aber von besonderer Bedeutung.
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Blumenwiese neben Straße © Bienenzentrum OÖ

Erwartungen wurden 2018 bei weitem übertroffen

„Das Echo auf die »Blühstreifenaktion – mach mit« war gleich bei der ersten Durchführung im Vorjahr enorm. Im landwirtschaftlichen Bereich wurden die Erwartungen um das Drei- bis Vierfache übertroffen. Unseren Landwirtinnen und Landwirten ist die Erhaltung der Natur und der Schutz der Honig- und Wildbienen sowie aller anderen blütenbestäubenden Insekten ein großes Anliegen“, erklärt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

„Anfangs waren die Erwartungen relativ gering und unser internes Ziel war es, 80 Kilometer Blühstreifen in einer Breite von ca. drei Metern anzulegen. Daraus sind dann schlussendlich ganze 300 Kilometer geworden, darauf sind wir stolz“, so Gerhard Rieß, Landesobmann des Maschinenrings OÖ. Die Bäuerinnen und Bauern legten vor allem mehrjährige Flächen an. Die größte Einzelfläche betrug dabei 2,14 Hektar, das sind gut vier Fußballfelder.

Finanzierung aus eigener Tasche notwendig

Die Motivation für die Teilnahme war groß, auch wenn alle Teilnehmer das Saatgut sowie die Anlage aus eigener Tasche finanzieren mussten. „Es wurde kein einziger Laufmeter gefördert. Deshalb freut es uns umso mehr, dass es so vielen Personen ein Anliegen ist, die biologische Vielfalt bzw. Biodiversität zu fördern. Die Infotafeln, die vom Bienenzentrum OÖ und der Landwirtschaftskammer OÖ bereitgestellt wurden, sind sehr gut angekommen und wurden überall gut sichtbar auf den angelegten Flächen angebracht“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ.
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Tue Gutes, zeige es und sprich darüber - sowie in der Neuen Mittelschule St. Georgen am Walde. Bienenzentrum OÖ © Bienenzentrum OÖ

Zertifiziertes Saatgut

Das verwendete Saatgut wird von der Kärntner Saatbau bezogen, da in Österreich nur dieses Unternehmen regional zertifiziertes Saatgut in ausreichenden Mengen anbietet. „Es ist uns sehr wichtig, die Herkunft des Saatgutes zu kennen und die heimische Saatgutwirtschaft zu unterstützen“, erklärt Reisecker. Durch die Verwendung von regional zertifizierten Wildblumen wird die Biodiversität in der Agrar- und Kulturlandschaft gefördert und die Ausbreitung invasiver Arten hintangehalten. Außerdem ist der Blühzeitpunkt von heimischen Wildpflanzen auf den Entwicklungszyklus unserer heimischen Bienen und blütenbestäubenden Insekten abgestimmt.

Erfahrungen von 2018 fließen in die Blühstreifenaktion 2019 ein

Die Anforderungen an den Blühstreifen bzw. die Blühflächen sind im landwirtschaftlichen Bereich andere als bei öffentlichen Einrichtungen oder bei Unternehmen. Die „Blühstreifenaktion - mach mit“ bietet 2019 daher unterschiedliche Aktionspakete an und wird noch vielfältiger.

„In Gemeinden und bei Gewerbegebieten muss noch mehr Bewusstseinsbildung betrieben werden. Hier gibt es viel Potenzial für Bienenweiden. Die Kommunen können mithelfen, dass aus öffentlichem Grün ein öffentliches Bunt wird. Blühflächen tragen nicht nur zur Verschönerung des Ortsbildes und des Firmenareals bei, sie verringern auch die Mähkosten“, erklärt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

„Für die Landwirte werden ein- und mehrjährige Spezialmischungen angeboten. Es gibt angepasste Saatgutmischungen für den Acker und auch für das Grünland, denn gerade im Grünland ist es wichtig, für mehr Blütenreichtum zu sorgen“, informiert Ing. Roman Braun, Leiter der Agrarbetreuung Maschinenring OÖ.
Die Blühstreifenaktion - mach mit schafft Nahrungsinseln und Lebensräume für alle blütenbestäubenden Insekten.Bienenzentrum OÖ.jpg
Die Blühstreifenaktion - mach mit schafft Nahrungsinseln und Lebensräume für alle blütenbestäubenden Insekten.Bienenzentrum OÖ © Bienenzentrum OÖ

Maschinenring-Kompetenzzentrum Wildblumen

„Der Maschinenring Oberösterreich ist bestrebt, sich als Umsetzungspartner für die Anlage und Pflege von Wildblumenflächen weiter zu etablieren, um seinem Auftrag zur Erhaltung von Landschaft und Natur nachzukommen“, erklärt Rieß. Dafür wurde ein Wildblumen Kompetenzzentrum, bestehend aus Maschinenring Wildblumenexperten, aufgebaut.

Diese absolvierten 2018 den LFI-Wildblumenwiesenlehrgang und lernten in 40 Unterrichtseinheiten alles rund um Wildblumen, die richtige Bodenbeschaffenheit, Aussaat und Pflege. Das Wildblumen Kompetenzzentrum steht für die fachliche Beratung und Erstellung von Konzepten zur Verfügung. Die Umsetzung (Anbau, etc.) erfolgt durch die Mitarbeiter des regionalen Maschinenringes. Bei der Planung von Neubauten sollten Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bereits einen Bereich für blütenbestäubende Insekten vorsehen. Grünflächen können von Beginn an als Wildblumenwiese angelegt werden. Auch bestehende, ungenutzte Flächen eignen sich für die Umgestaltung zur Bienenweide.

„Unsere fachlich ausgebildeten Wildblumenexperten werden die Bewusstseinsbildung in diesem Bereich verstärkt in Angriff nehmen“, beschreibt Gerhard Rieß die Aufgabe des Maschinenringes OÖ. Das Kompetenzzentrum Wildblumen bietet auch Beratung und Information für Privatpersonen. Die letztjährigen Erfahrungen zeigen, dass Privatgarten-Besitzer eher kleinere Saatgutmengen nachfragen und den Anbau überwiegend selbst übernehmen. Private Gärten besitzen ein sehr großes Potenzial für blühende Bienenweiden im Sommer. Jede noch so kleine Blühfläche kann zu einem kleinen Naturparadies verwandelt werden, alle können einen Beitrag leisten. Für kleinere Flächen gibt es eine 50 Quadratmeter Saatgutpackung, die als Bienenweide angelegt werden kann.

Gute Zusammenarbeit im Einsatz für die Natur

Die Zusammenarbeit von Bienenzentrum OÖ und Maschinenring OÖ funktionierte im letzten Jahr ausgesprochen gut, es herrschte ein intensiver Informationsaustausch und zusätzliche kurzfristige Aktionen vor Ort konnten sehr gut umgesetzt werden. „Schon letztes Jahr wurde sichtbar, was möglich ist, wenn Institutionen, Gemeinden und Vereine zusammenarbeiten und gemeinsam Blühflächen anlegen. Auch heuer sollen wieder alle animiert werden, sich für unsere Blütenvielfalt und Bienen einzusetzen. Die richtige Anlage von Blühflächen ist oft schwierig und kostenintensiv, daher ist es umso wichtiger, dass sich Menschen mit verschiedensten Interessen zusammentun und so möglichst viele Blühflächen schaffen, wie zum Beispiel durch Blühbausteine, Blühpatenschaften oder dergleichen“, informiert Dr. Petra Haslgrübler.

Der Maschinenring OÖ hat im Vorjahr im Zuge der Aktion „Rettet die Bienen“ eine Bienenpatenschaft übernommen, um so die Zusammenarbeit mit den Imkern zu unterstreichen. Die Kooperationspartner sind sich ihres Umweltauftrages bewusst: „Die Zusammenarbeit mit den Imkern muss auch im Bereich Pflanzenschutz forciert werden, damit die bienenfreundliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und die Absicherung der Erträge und Qualitäten von Feldfrüchten möglich ist. Die »Blühstreifenaktion - mach mit« ist daher nur ein Bestandteil unserer Anstrengungen für das Wohlergehen der Honig- und Wildbienen“, betont Reisecker.
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Nahaufname der mehrjänrigen Felblumenmischung ReNatura2 © BienenzentrumOÖ

Bienenzentrum Oberösterreich – Nahrung schaffen für unsere Bienen

Das Bienenzentrum Oberösterreich ist eine unabhängige Informations- und Wissensdrehscheibe, die mit Akteuren aus den Bereichen Bienen- und Landwirtschaft, Bildung, Natur- und Umweltschutz sowie Wissenschaft vernetzt ist und kooperiert. Das Bienenzentrum wurde auf Initiative von Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger gegründet und startete im Oktober 2017. Es ist in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich angesiedelt und weist mit Dr. Petra Haslgrübler und DI Theresa Frühwirth zwei Expertinnen für Bienenwirtschaft und Biodiversität auf.

Vorrangiges Ziel des Bienenzentrums ist es, Bewusstsein in den drei Kernbereichen bienen.biodiversität.bildung zu betreiben. Es gilt, die biologische Vielfalt zu fördern und als gesellschaftliches Anliegen zu verankern. „Die Vielfalt an Arten aber auch im Genpool ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Anpassung von Wild- und Honigbienen sowie anderer blütenbestäubender Insekten an sich verändernde Umweltbedingungen wie zum Beispiel den Klimawandel", fasst Agrar-Landesrat Hiegelsberger zusammen.

Das wichtigste Projekt des Bienenzentrums OÖ ist die „Blühstreifenaktion – mach mit“. „Die Nahrungsgrundlagen für blütenbestäubende Insekten, vor allem aber für Wild- und Honigbienen in OÖ sollen gesichert und ausgebaut werden“, informiert Dr. Petra Haslgrübler, Leiterin des Bienenzentrums OÖ: „Eines ist jedoch zu betonen: Blühstreifen bzw. Blühflächen sind nur ein Teilbereich, um Bienen zu unterstützen. Darüber hinaus gilt es wieder verstärkt Landschaftselemente wie Bäume, Sträucher, Streuobstwiesen, Hecken usw. in unsere Kulturlandschaft zu integrieren. Diese Habitate sind nicht nur Nahrungsgrundlage, sondern bieten auch ausreichend Nistmöglichkeiten.“

Kontakt bei Rückfragen

Dr. Petra Haslgrübler, Bienenzentrum OÖ
050 6902 1430, Petra.Haslgruebler@lk-ooe.at

Ing. Roman Braun – Leiter Agrarbetreuung Maschinenring Oberösterreich
0664 9606111, Roman.Braun@maschinenring.at

Kompetenzzentrum Wildblumen Maschinenring
05 9060 400, service.ooe@maschinenring.at

Mag. Elisabeth Frei-Ollmann, Öffentlichkeitsarbeit Landwirtschaftskammer OÖ
050 6902-1591
elisabeth.frei-ollmann@lk-ooe.at

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