2019/04 Spannungsfeld Biene und Landwirtschaft

Imker und Landwirte brauchen einander, daher ist es umso wichtiger die Kommunikation zwischen den Parteien zu fördern. Prof. Dr. Werner von der Ohe berichtet aus den Erfahrungen in Deutschland und wie es funktionieren kann.
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Pressefrühstück © Land OÖ

Positive Entwicklung der Imkerei in Österreich

In Österreich sichern über 27.000 Imkerinnen und Imker (Stand 2017; Biene Österreich) mit knapp über 350.000 Bienenvölkern die Bestäubung der Wild- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Die Anzahl der Imkerinnen sowie die bewirtschafteten Bienenvölker war in Österreich von 1990 bis 2000 rückläufig. Seit dem Jahr 2000 blieb die Anzahl mit zwischenzeitlichen Schwankungen nahezu unverändert.
„Mit 8.200 Imkerinnen und rund 81.000 Bienenvölkern ist Oberösterreich das Bienenland Nr. 1 und somit das imkerstärkste Bundesland. Dabei sind bereits rund 15 Prozent aller Imker weiblich mit einer steigenden Tendenz und rund 200 Jungimker sind unter 18 Jahren. Durchschnittlich betreut eine Imkerin oder Imker in Oberösterreich zwischen 10 und 12 Bienenvölker“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger

Weltweite Zunahme bei Bienenvölkern zu verzeichnen


„Weltweit ist eine Zunahme an Imkern und Bienenvölkern zu verzeichnen. So nimmt auch in Deutschland seit nahezu zehn Jahren die Zahl der Imkerinnen und Imker zu und seit einiger Zeit auch die Anzahl der Bienenvölker“, sagt Prof. Dr. Werner von der Ohe, Institutsleiter des Bieneninstitut in Celle - Deutschland.

Über 60 % der Wildbienenarten sind in Deutschland bedroht und bei Honigbienenvölkern sind immer wieder erhebliche Überwinterungsverluste zu verzeichnen. Viele Wildbienenarten haben sehr spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum. Durch den Verlust dieser Lebensräume sind Wildbienen stark bedroht. Hierzu zählen unter anderem die Versiegelung von Landschaftsräumen durch Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten, Verbreiterung von Straßen, monotone Gartengestaltung, Flurbereinigungsmaßnahmen und vieles mehr.
„Fehlt es an den spezifischen Nährpflanzen, können sich die Wildbienen nicht ernähren. Sind Pflanzen auf sehr spezifische Bestäuberbienenarten angewiesen und fehlt es an diesen, können sich gegebenenfalls auch die Pflanzen nicht vermehren“, erklärt Prof. Dr. Werner von der Ohe.
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Pressefrühstück © Land Oö

Wissenschaftliche Grundlagen zum „Bienensterben“

„Seit Jahren wird in den Medien über das „Bienensterben“ berichtet. Laien denken als erstes an die Honigbienen und fürchten durch diese Berichte das Aussterben der Honigbienen. Honigbienen werden nicht aussterben, solange es fürsorgliche Imker gibt“, so Professor von der Ohe.
Die wesentliche Ursache für Überwinterungsverluste ist die Varroose. Das LAVES – das Institut für Bienenkunde Celle hat neben der Varroose den möglichen Ursachenkomplex auch auf weitere Stressfaktoren untersucht.
Beispiele für untersuchte Stressfaktoren 
  • Varroapopulation und Nahrungsangebot sowie Witterungsverlauf 
  • Proteinversorgung und Insektizide 
  • subletale oder chronische Effekte von Insektiziden

Maßnahmen zur Unterstützung der Bienen

Wir sind alle gemeinsam aufgerufen, die Lebensbedingungen für Bienen durch unser tägliches Handeln zu verbessern. Die gegenseitige Schuldzuschreibung bringt uns keinen Schritt weiter. Auch in der Landwirtschaft sind wir daher jeden Tag darum bemüht, den gerade für unseren Berufsstand unschätzbar wertvollen Bestäubern zu helfen“, führt Agrar-Landesrat Hiegelsberger aus.
  • Imker: Konsequente Bekämpfung der Varroamilbe und Versorgung der Bienenvölker.
  • Landwirte: Konsequente Einhaltung der Bienenschutzverordnung sowie Ausbringung auch der als nicht bienengefährlich kategorisierten Spritzmittel (B4 – nicht bienengefährlich) erst nach der täglichen Hauptflugzeit der Bienen. Weiterhin Blühflächen anlegen.
  • Kommunen, Privatpersonen, Firmen, usw.: Nahrungsangebote für Bienen schaffen.

Bienenzentrum Oberösterreich

Das Bienenzentrum Oberösterreich ist eine unabhängige Informations- und Wissensdrehscheibe, die mit Akteuren aus den Bereichen Bienen- und Landwirtschaft, Bildung, Natur- und Umweltschutz sowie Wissenschaft vernetzt ist und kooperiert. Das Bienenzentrum wurde auf Initiative von Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger gegründet und startete im Oktober 2017.
Es ist in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich angesiedelt und weist mit Dr. Petra Haslgrübler und DI Theresa Frühwirth zwei Expertinnen für Bienenwirtschaft und Biodiversität auf. Vorrangiges Ziel des Bienenzentrums ist es, Bewusstsein in den drei Kernbereichen bienen.biodiversität.bildung zu betreiben. Es gilt, die biologische Vielfalt zu fördern und als gesellschaftliches Anliegen zu verankern.
„Die Vielfalt an Arten aber auch im Genpool ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Anpassung von Wild- und Honigbienen sowie anderer blütenbestäubender Insekten an sich verändernde Umweltbedingungen wie zum Beispiel den Klimawandel", fasst Agrar-Landesrat Hiegelsberger zusammen.

Neuauflag der erfolgreichen Blühstreifenaktion „Mach mit“

Bienen und andere blütenbestäubende Insekten sind auf biodiversitätsreiche Blühflächen angewiesen. Um gezielt Lebensräume und Nahrungsgrundlagen zu schaffen, initiierte das Bienenzentrum OÖ in Kooperation mit dem Maschinenring OÖ die „Blühstreifenaktion – mach mit“.
„Die Nahrungsgrundlagen für blütenbestäubende Insekten, vor allem aber für Wild- und Honigbienen in OÖ sollen gesichert und ausgebaut werden“, informiert Dr. Petra Haslgrübler, Leiterin des Bienenzentrums OÖ. Anfangs ausgerichtet auf die Anlage von Blühstreifen entlang von Ackerkulturen wie Mais und Soja, nahm das Projekt überraschend große Ausmaße an. Erstaunliche 300 Kilometer Nahrungsgrundlagen wurden von 314 Landwirten, 73 Privatkunden, 8 Gemeinden, 4 Firmen, einem Wasserverband und einer Ortsbauernschaft 2018 geschaffen.
Mit dem Maschinenring OÖ hat das Bienenzentrum OÖ einen hervorragenden Kooperationspartner gefunden. Auch 2019 ist die Teilnahme an der „Blühstreifenaktion – mach mit“ sehr groß.
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v.l.n.r. IM Johann Mayr, Landwirt Johannes Langmayr, Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, Prof. Dr. Werner von der Ohe, Dr. Petra Haslgrübler, DI Huber Köppl © Bienenzentrum OÖ

Imker und Landwirte an einen Tisch

Hohen Zuspruch erfuhr das Bienenzentrum OÖ auch für die Infoveranstaltung „Imker und Landwirte an einem Tisch“. Bisher haben 13 Ortsbauernschaften das Angebot in Anspruch genommen und die ortsansässigen Imkervereine zum gemeinsamen Austausch eingeladen.
„Fest steht, dass Land- und Bienenwirtschaft einander brauchen. Dazu ist mehr Austausch und Wissen nötig, um Vorurteile abzubauen und neue Kooperationen entstehen zu lassen,“ so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Institut für Bienenkunde Celle – Kompetenzzentrum und Problemlösung

Das Institut für Bienenkunde Celle ist ein Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung sowie angrenzender Bereiche, wie z.B. Pflanzenschutz und Landwirtschaft. Auftraggeber sind neben Imkerinnen und Imker und Imkerverbänden z.B. auch Handels- und Industrieunternehmen. Im Institut sind aktuell 13 Mitarbeiterinnen und 16 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende in den Bereichen Imkerei, Labor und Verwaltung tätig.
Seit 2004 leitet Prof. Dr. Werner von der Ohe das Institut für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Zudem ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung in Deutschland.
Wesentliche Aufgaben:
  • Ausbildung – Fortbildung – Beratung
  • Untersuchungen von Bienenprodukten
  • Amtliche Bienenseuchendiagnostik und operative Beratung
  • Prüfung von Pflanzenschutzmitteln
  • Forschung und Entwicklung
  • Öffentlichkeitsarbeit

Kontakt für Rückfragen

Dr. Petra Haslgrübler
Bienenzentrum OÖ
050 6902 1430
www.bienenzentrum.at
Petra.Haslgruebler@lk-ooe.at

DI Karl-Heinz Schaurhofer BA 0
732/7720-11113, 0664/600 72 11113
www.max-hiegelsberger.at
www.facebook.com/maxhiegelsberger

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