Ein Blütenmeer zum Genießen

In Oberösterreich ist heuer auf vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen eine neue Blütenpracht zu sehen. Aber auch in vielen privaten Gärten, bei Firmenarealen oder auf Gemeindegebieten sind vermehrt „Inseln der Vielfalt“ oder auch „das kleine wilde Eck“ zu finden.
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Blumen zum Selberpflücken © Bienenzentrum OÖ
Letztes Jahr standen schon viele Hektar als Nahrungsgrundlage für unsere Bienen und blütenbestäubenden Insekten zur Verfügung und auch dieses Jahr kamen wieder viele dazu. Viele Ortsbauernobmänner sind bemüht ihre Landwirte zu überzeugen hochwertige und vorwiegend heimisch produziertes Saatgut zu verwenden. So wurden Streifen, entlang von Feldkulturen oder einzelne Flächen in Blütenmeere verwandelt.

Erfreulicherweise findet die überjährige Saatgutmischung BM-Agrar, erhältlich beim ortsansässigen Maschinenring, immer mehr an Bedeutung. Diese Saatgutmischung besteht aus 60% einjährigen Pflanzen, wie Sonnenblume, Ringelblume, Phacelia, Mohnblume und Inkarnatklee und 40% regional zertifizierten mehrjährigen Wildblumen, wie Margerite, Steinklee, Spitzwegerich, Färberkamille, Kornblume und vielen mehr. Letztes Jahr zeigten sich die Flächen im kunterbunten Blütengewand, heuer sind es wunderschöne Wildblumenwiesen geprägt von Margerite und Färberkamille. Bei vielen Menschen wecken diese Flächen Kindheitserinnerungen. Angelegt sind die Flächen entlang von Felder, Wanderwegen und Siedlungen, wo die Blumen teilweise zum Selberpflücken angeboten werden.
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verdorrte Sonnenblumen stehen da, wie die Zinnsoldaten © Bienenzentrum OÖ

Blühflächen bieten auch Nistmöglichkeit

Manchmal wurden die Flächen im letzten Jahr nicht mehr gemäht. Dies bedeutet aber nicht, dass der Landwirt seine Flächen nicht bewirtschaftet, sondern diese bewusst stehen lässt. Verdorrte Sonnenblumenstängel stehen in den Flächen wie Zinnsoldaten und bieten somit notwendige Wohnungen für heimische Insekten. Hohle und markhaltige Stängel in Blühstreifen bieten vielen Nützlingen Brutplatz und Überwinterungsquartiere. Die Grabwespen, zum Beispiel sind Blattlausjäger und legen in diesen Stängeln ihre Brutröhren an. Jedes Weibchen erbeutet für ihren Nachwuchs mehrere Hundert Blattläuse. Keulhornbienen benötigen markhaltige Stängel, viele Maskenbienen-Arten sind nicht so wählerisch und nisten in den verschiedensten vorhandenen Hohlräumen. Blühstreifen sind somit nicht nur Nahrungsquelle und Nistplatz, sondern fördern auch viele Nützlinge, um angrenzende Nachbarkulturen zu schützen und stärken.
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wunderschöne Margeritenwiese. Die Fläche wurde letztes Jahr angelegt © Bienenzentrum OÖ

Welche Fläche ist die Richtige?

Bei einer Besichtigung von unterschiedlichen Flächen stellte sich auch heraus, dass für mehrjährige Blühflächen nicht jeder Standort geeignet ist. Wahlweise sollten Flächen zum Einsatz kommen die unkrautfrei und nährstoffarm sind. Bei Flächen die zuvor schon stark verunkrautet waren, wird die Vermehrung von Disteln, Ampfer und co noch mehr forciert. Daher ist es sehr wichtig den Unkrautdruck auf den Flächen durch Fruchtfolge und richtiger Bewirtschaftung so gering wie möglich zu halten. Weiters sind Standorte zu wählen, die generell keinen hohen Ertrag liefern. Bei geringer Nährstoffversorgung gedeihen die Wildblumen am besten und sollten noch offene Bodenstellen vorhanden sein, bieten diese auch wichtige Nistmöglichkeiten für bodenbrütende Insekten.

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Bodennistende Wildbienen © Bienenzentrum OÖ
Bei manchen Flächen ist es ratsam nur einjährige Brachen anzulegen, um so den Unkrautdruck zu kontrollieren oder bei stark nährstoffversorgten Böden. Diese Flächen sind vor allem Nahrungsquelle und sollten maximal im Umkreis von 500 m zu möglichen Nistquartieren (Hecken, mehrjährigen Blühflächen, Abbruchkanten, etc.) sein. Wildbienen und viele andere Insekten haben einen geringeren Flugradius als Honigbienen. Honigbienen fliegen durchschnittlich drei km und Wildbienen durchschnittlich 500 m. Um eine schöne und abwechslungsreiche Blühfläche zu erhalten, kommt es nicht nur auf das richtige Saatgut an, sondern auch auf den richtigen Standort. Durch die Vielzahl an Pflanzen in der Saatgutmischung ist die Fläche einem ständigen Wandel unterzogen und zeigt sich zu jeder Jahreszeit von einer anderen Seite.

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