Blühstreifenaktion – mach mit: Interview mit einem Wildbienen-Experten

Der Entomologe und Wildbienenexperte Dr. Martin Schwarz von der Stiftung für Natur des Naturschutzbundes OÖ beantwortet Fragen, in wie weit Wildbienen von Blühstreifen profitieren.
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Blühstreifen entlang der Rohrbacher Bundesstraße in Walding © Bienenzentrum OÖ

Welchen Nutzen haben ein- und mehrjährige Blühflächen für Wildbienen?

Blühflächen können für Wildbienen eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellen, wenn die geeigneten Pflanzenarten verwendet werden. Die meisten Wiesen, sofern überhaupt noch vorhanden, werden intensiv genutzt und bieten dadurch Wildbienen kaum mehr Nahrung. Eine Blumenwiese ist für den Wildbienenschutz besonders wichtig und wo solche fehlen, kann das Nahrungsangebot durch Blühflächen teilweise ersetzt werden.
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Die Einbringung von Wiesenflockenblumen, Witwenblumen oder Natternkopf in Saatgutmischungen ist wünschenswert – die Attraktivität für Wildbienen ist besonders hoch © Bienenzentrum OÖ

Wie zufrieden sind sie mit der Auswahl unserer Saatgutmischungen zur Förderung von Wildbienen?

Die Saatgutmischungen bei der Blühstreifenaktion setzen sich aus verschiedenen Pflanzenfamilien zusammen, was positiv ist. Phacelia und Sonnenblume beispielsweise werden von Honigbienen und Hummeln genutzt, aber kaum von solitären Wildbienen. Die Einbringung von Flockenblumen, Witwenblumen sowie die Verwendung von Arten, die für Spezialisten wichtig sind, wie Natternkopf, ist anzustreben.

Aus der Sicht des Naturschutzes wäre eine Saatgutmischung, die nur aus einheimischen (autochthonen) Pflanzenarten besteht, wünschenswert. Bei geringer Biomasseentwicklung kann auf eine Mahd verzichtet werden, da einige Wildbienenarten in alten Stängeln nisten. Dadurch werden deren Nester mit dem Nachwuchs nicht zerstört. Der Schnitt kann im darauffolgenden Frühjahr erfolgen.
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Schwebfliegen auf der Suche nach Nektar und Pollen. © Bienenzentrum Oö

Welche weiteren Maßnahmen können / müssen ergriffen werden, um diese gezielt zu fördern?

Da Wildbienen zusätzlich Nistplätze benötigen, müssen solche in der Nähe der Blühflächen vorhanden sein, um das Blütenangebot nutzen zu können, denn die Flugdistanzen betragen oftmals nicht mehr als 300 m und je näher die Nahrungsquellen und die Nistplätze beieinanderliegen, desto größer ist meist der Bruterfolg. Als Nistplätze dienen offene Bodenstellen ohne oder nur mit geringer Vegetation in sonniger Lage, Löcher im Totholz, alte Stängel und dergleichen.