Restentmilbung im Winter

Regional ist der Varroa- und Virendruck in den Bienenvölkern vereinzelt sehr hoch. Nach den ersten starken Frostnächten im November ist in den kommenden Wochen mit brutfreien Völkern zu rechnen (besonders in den Lagen ab 500 Meter) und es kann mit einer Winterbehandlung durchgeführt werden. Das Service „Varroawetter“ der LK Ö kann Imkerinnen und Imker dabei unterstützen ihre Anwendungen in Abhängigkeit mit dem Wetter besser zu planen.
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Aktuelle Situation

Quer über Oberösterreich wurde von ersten varroabedingten Völkerzusammenbrüchen berichtet. Der Milbenbefall ist aktuell zwar nicht extrem hoch, mit kleinregionalen Unterschieden jedoch stärker vorhanden. Die Bandbreite reicht von einem unproblematischen bis hin zum sehr starken Abfall, was vereinzelt zu ersten Herbstverlusten geführt hat.

Die genauen Ursachen dürften nicht auf ein einziges Ereignis, sondern auf das Zusammenspiel von verschiedensten Faktoren, wie z.B: hohe Startpopulation an Varroamilben im Frühjahr und witterungsbedingte lange Brutphase, zurückzuführen sein. Es ist davon auszugehen, dass auch die Aufzucht an Winterbienenjungbrut teils nicht optimal war. 
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Biene mit Flügeldeformationsvirus © Köppl
Imkerinnen und Imker, die die Hauptbehandlung mit Ameisensäure bereits im Juli durchgeführt haben, können den Vorteil haben, dass ihre Völker jetzt weniger Milben- und vor allem Virendruck haben. Andere haben mit der Ameisensäurebehandlung bis Mitte / Ende August gewartet. Durch die Hauptentmilbung zu diesem Zeitpunkt sind zwar viele Milben hinuntergefallen, der Virusdruck blieb aber erhalten und verschärfte sich.

Viren kommen durch die Varroamilbe, die zur Nahrungsaufnahme die Larven und Puppen der Brut stechen, so in das Körperinnere. Bei diesen Viren handelt es sich vorwiegend um das Akute und Chronische Paralysevirus und das Deformierte Flügelvirus, welche sich besonders negativ auf die Vitalität der Bienen auswirken. Dadurch lässt sich auch das regional oft sehr unterschiedliche Ausmaß der Völkerverluste im Herbst herleiten und erklären.

Restentmilbung ja / nein und wann?

Mit den ersten Frostnächsten werden die Bienenvölker mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Wochen brutfrei sein. Wer die Restentmilbung noch nicht durchgeführt oder noch einen zu hohen Milbenabfall (mehr als 1 Milbe pro Tag) hat, soll unbedingt die Restentmilbung vornehmen, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.
 
Bevorzugt behandelt wird mit Oxalsäure, die entweder geträufelt oder verdampft angewendet wird. Die Oxalsäure entfaltet aber erst dann ihre volle Wirkung, wenn die Völker brutfrei sind. Wichtig: Eine tote Varroamilbe pro Trag in der Windel (oder auch als „Gemüll“ bezeichnet) weist in der brutfreien Zeit auf etwa 500 lebende Milben im Volk hin!
 
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Restentmilbung durch Verdampfung von Oxalsäure © Bienenzentrum OÖ
Teils wurde die Restentmilbung bereits im Oktober durchgeführt. Hier ist unbedingt der Behandlungserfolg durch den natürlichen Varroaabfall zu erfassen und gegebenenfalls entsprechend zu handeln.

Die Restentmilbung stellt eigentlich nur den finalen Abschluss einer ganzjährigen Varroa-Bekämpfung dar. Wer vermutet, stark befallene Bienenvölker mit einer Restentmilbung noch zu „retten“, liegt falsch. Hier haben Varroamilben und die verschiedenen Virenarten bereits einen Schaden angerichtet. Stark belastete Völker werden es generell schwer haben über den Winter zu kommen bzw. gesund und mit guter Volksstärke in den Frühling zu starten.

Nichtsdestotrotz: es muss sichergestellt werden, dass die Bienenvölker mit einer möglichst geringen Zahl an Varroamilben in das nächste Frühjahr gehen. Daher ist unbedingt eine Restentmilbung vorzunehmen.

Temperatur ist entscheidend

Der Erfolg einer Behandlung ist abhängig von der Außentemperatur. Ist es zu kalt, kommt es zu Schädigungen bei den Bienen. Bei zu warmen Temperaturen bildet das Volk keine geschlossene Wintertraube mehr, was wiederum den Behandlungserfolg negativ beeinflusst. Besonders zu empfehlen ist die Applikation "Varroawetter" auf  www.bienenzentrum.at/bienengesundheit+2400++1000824, wo sich die optimalen Behandlungszeiten je nach Region eruieren lassen.
 

Nach der Behandlung: was tun?

Es wird empfohlen, die Varroatassen 14 Tage nach der Behandlung zu reinigen und dann den natürlichen Milbenabfall zu kontrollieren. Völker, die bei der Kontrolle des natürlichen Abfalls weniger als 0,5 Milben pro Tag aufweisen, sind als unbedenklich einzustufen. D.h. beunruhigende Probleme sind bei diesen Völkern im Folgejahr kaum zu erwarten.

Wichtig ist, dass immer möglichst alle Völker eines Standes kontrolliert werden. Es gibt immer wieder einzelne Völker auf einem Bienenstand, die sich nicht ins Gesamtbild einfügen und so von der Norm abweichen. Besonders zu beachten sind vor allem Jungvölker, die länger in den Herbst hinein gebrütet haben. Diese gilt es sorgfältig zu beobachten und den natürlichen Milbenabfall zu erfassen.