Frühjahrsblüte, Bienen und die erste Mahd

Mit den ersten warmen Tagen im April setzt die Frühjahrsblüte ein: Erste Sträucher und Bäume öffnen ihre Blüten, Wiesen und Felder erwachen, und Wild- wie Honigbienen sowie andere bestäubende Insekten werden zunehmend aktiv. Gleichzeitig beginnen viele Betriebe mit der ersten Mahd – ein Zeitraum, in dem ökologische Anforderungen und betriebliche Abläufe oft zusammenfallen und im besten Fall sorgfältig abgestimmt sind.
Frühe Blüten wie Löwenzahn sichern die Energieversorgung vieler Bestäuberarten.
Frühe Blüten wie Löwenzahn sichern die Energieversorgung vieler Bestäuberarten. © Bienenzentrum OÖ

Bedeutung Frühjahrsblüte für Bienenpopulationen

Löwenzahn, Klee, Obst- und Beerenblüten sowie weitere Frühblüher stellen im Frühjahr die ersten wichtigen Nektar- und Pollenquellen dar. Honigbienen benötigen jetzt besonders viel Energie – einerseits für die gesteigerte Sammelaktivität von Pollen und Nektar, und andererseits für den intensiven Brutaufbau, bei dem eine ausreichende Pollenversorgung Voraussetzung ist. Für viele Wildbienenarten mit kurzen Lebenszyklen ist das frühe Blütenangebot essenziell, da sie nur in diesem Zeitraum ihren Fortpflanzungszyklus durchlaufen können. Eine Mahd entfernt diese Ressourcen von Wiesen abrupt und kann sowohl die Entwicklung von Honigbienenvölkern als auch den Bestand empfindlicher Wildbienenarten schwächen.
 
Sehr extensives Grünland bietet durch späte und seltene Nutzung einen hohen ökologischen Wert für Bestäuber und andere Insekten.
Sehr extensives Grünland bietet durch späte und seltene Nutzung einen hohen ökologischen Wert für Bestäuber und andere Insekten. © Bienenzentrum OÖ

Optimaler Mähzeitpunkt

Erfolgt die Mahd während hoher Insektenaktivität, steigt das Risiko von Bestäuberverlusten deutlich. Die daraus sinkende Individuendichte kann regional die Bestäubungsleistung und damit die Erträge wichtiger Kulturen beeinträchtigen. Es braucht daher praxisnahe und gut umsetzbare Lösungen.
 
Zwei Nutzungen ermöglichen eine extensive Bewirtschaftung mit hohem ökologischen Nutzen.
Zwei Nutzungen ermöglichen eine extensive Bewirtschaftung mit hohem ökologischen Nutzen. © Fritscher/LKOÖ

Abstimmung zwischen Landwirtschaft und Imkerei

Eine enge Zusammenarbeit hilft, Bestäuberverluste zu minimieren. Wenn möglich, sollte außerhalb der Flugzeiten gemäht werden – idealerweise ab etwa 19 Uhr, wenn die Aktivität der meisten Bestäuber deutlich sinkt. Honigbienen fliegen überwiegend ab rund 13 °C bei Sonnenschein und wenig Wind; Hummeln sind auch bei geringerer Temperatur und schlechterer Witterung aktiv.
 
Ertragsbetontes Grünland liefert wertvolles Futter – bietet jedoch nur wenig Blütenressourcen für Bestäuber.
Ertragsbetontes Grünland liefert wertvolles Futter – bietet jedoch nur wenig Blütenressourcen für Bestäuber. © Fritscher/LKOÖ

Mähtechnik als Schutzfaktor

Auch die Technik beeinflusst das Ausmaß an Insektenverlusten. Untersuchungen im Projekt „Insektenschonendes Mähen“ zeigen, dass Doppelmesserbalken im Vergleich zu rotierenden Systemen die geringsten direkten Schäden verursachen. Ihr Einsatz kann besonders während der Frühjahrsblüte einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Bestäuber-Populationen leisten.
 
Abgestufte Grünlandbewirtschaftung - unterschiedliche Nutzungszeitpunkte und Intensitäten.
Abgestufte Grünlandbewirtschaftung - unterschiedliche Nutzungszeitpunkte und Intensitäten. © Fritscher/LKOÖ

Abgestufte Bewirtschaftung

Viele Betriebe setzen sie bereits um: die abgestufte Nutzungsstrategie, bei der Grünlandflächen eines Betriebs in Intensiv- und Extensivbereiche unterteilt werden. Dadurch lassen sich einerseits hochwertige Grundfutterqualitäten erzielen und andererseits die betriebliche Artenvielfalt fördern. Für Bestäuber entstehen so wertvolle Rückzugsorte und Nahrungsräume, da extensiv genutzte Flächen ein längeres Blütenangebot sichern.