2021 lässt wenig Blütenhonig erwarten

Ein ungewöhnlich kühler und trockener Frühling 2021: in Oberösterreich sind ergiebige Blütentrachten in vielen Gebieten heuer absolute Mangelware. Die Auswirkungen der schlechten Wetterlage sind auch bei den Honigbienen nicht spurlos vorübergegangen. Viele Imkerinnen und Imker stehen vor leeren Honigräumen und müssen ihre Bienenvölker teils notfüttern.
Viele Bienenvölker mussten heuer aufgrund der schlechten Wetterlage beispielsweise mit Futterteig notgefüttert werden. © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ.

Kein optimaler Start

Bereits die Monate März und April stellten viele Imkerinnen und Imker vor großen Herausforderungen. Die Kälteeinbrüche hemmten einerseits die Entwicklung der Bienenvölker, andererseits bestand ein erhöhter Futterbedarf aufgrund der vorhandenen Bruttätigkeit, sodass die Bienenvölker teils mit Futterteig notgefüttert werden mussten. Die langlebigen Winterbienen, die für die Überwinterung des Bienenvolkes verantwortlich sind, waren enorm gefordert. Die Konsequenz daraus war, dass viele Bienenvölker zwar überlebt haben, allerdings sind sie sehr schwach aus dem Winter gegangen.
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Der Weidenpollen zählt zu den ersten Pollen, die Honigbienen im Frühjahr eintragen. © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ

Nässe, Kälte, Wind beeinflusst Nektarbildung

Mit der ersten Pollenversorgung der Frühblüher (Haselnuss, Salweide, Erle…) steigt die Brutaufzucht in den Bienenvölkern stark an. Die Bienenvölker haben zu dieser Zeit noch nicht die volle Stärke. Sie brauchen eine ergiebige Frühjahrsblüte, um optimal in die Aufwärtsentwicklung gehen zu können. Einflussfaktoren auf die Nektarbildung bei Bienentrachtpflanzen sind: Wetter, Temperatur, Wind und Bodenbeschaffenheit.
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Die Kirschblüte ist in vielen Teilen Oberösterreichs für die Aufwärtsentwicklung der Bienenvölker eine bedeutende Frühjahrstracht © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ
Es war lange kalt, im April und Mai wurden Temperaturen für eine ergiebige Nektarbildung nur selten erreicht. Die Vegetation hat nach und nach zu blühen begonnen. Die niedrigen Temperaturen hemmten die Nektarbildung von Blütentrachten, wie etwa Obst (Kirsche, Schlehe, Apfel…) und Löwenzahn. Viele Pflanzen sondern erst ab 15 bis 19°C Nektar ab.
Ein seltenes Bild: im Linzer Raum ist durchaus mit Blütenhonig zu rechnen. Die Wetterprognosen versprechen auf jeden Fall ein besseres Honigwetter. © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ
Obstbäume, Blütenpflanzen und Sträucher konnten den Vegetationsrückstand aufholen. Die Honigbienen benötigen jedoch bis zu 40 Tage für die „Aufwärtsentwicklung“ des Volkes. Die Kälte, Nässe und der Wind sorgten zusätzlich für geringe Flugtätigkeit bei den Bienenvölkern. Dies wiederum führte dazu, dass der eingetragene Nektar in kürzester Zeit wieder aufgebraucht wurde. Die Konsequenz: Vielerorts waren die Völker „staubtrocken“ und mussten im Mai wieder notgefüttert werden.
Raps ist in vielen Teilen Oberösterreichs neben der Obst- und Löwenzahnblüte eine der wichtigsten Frühjahrstrachten. © Payrleitner/Bienenzentrum OÖ

Raps: durchaus mittlere Honigerträge

Von Bienenvölkern, die bei Rapsfeldern stehen, sind durchaus mittlere Honigerträge zu erwarten. Honigbienen lieben die Rapsblüten, da sie sehr reich an hochwertigem Eiweiß (Pollen) und zuckerreichem Nektar (Kohlenhydrate) sind. Ab 15°C sondert der Raps Nektar ab. Zwischen 20°C und 25°C produziert der Raps Nektar im Überfluss und ermöglicht so eine reiche Honigernte. Heuer ist aufgrund der niedrigen Temperaturen und vor allem der hohen Temperaturschwankungen eine geringere Nektarsekretion messbar.
Viele Imkerinnen und Imker erhoffen sich eine ergiebige Lindenblüte. © Peter Frühwirth

Auf Akazie, Linde und Wald hoffen

Die ideale Wetterlage für Imkerinnen und Imker sind Tagestemperaturen um die plus 20°C, wenig Wind und warme, leichte Nachtregen. Unter diesen Bedingungen wären gute Honigerträge zu erwarten. Vielerorts beginnt die Schein-Akazie (Gewöhnliche Robinie) bereits zu blühen. Die Wetterprognosen versprechen ein besseres Honigwetter und lassen auf Linden- oder Waldhonig hoffen.