Von der Juristin zur Berufsimkerin

Vor sieben Jahren kaufte das Ehepaar Elisabeth und Ulrich Lanzer einen typischen Dreiseithof inklusive 6 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in der Gemeinde Pühret bei Schwanenstadt und startete mit zwanzig Bienenvölkern die Nebenerwerbsimkerei „LuftLand“. Elisabeth Lanzer arbeitete vor der Übersiedlung auf den Hof als Juristin in der Bankenaufsicht.
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Betriebsleiterin Mag. Elisabeth Lanzer, DI Rudof Stockinger (DL BBK Vöcklabruck) und ÖR Johann Schachl (BBK-Obmann Vöcklabruck) beim Verkosten der "Luftland"-Bio-Honige_ © LKOÖ/Weberstorfer

Aller Anfang ist schwer

Neben ihrer Arbeit als Imkerin absolvierte Elisabeth, die auf einem obersteirischen Vollerwerbsbetrieb aufwuchs, mehrere Kurse und die Ausbildung zur Imkerfacharbeiterin an der Imkerschule der LFS Warth (NÖ). Ihr Mann Ulrich, der das Imkerhandwerk von seinem Vater erlernte, arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater in Wien. Am Wochenende unterstützt er seine Frau tatkräftig entweder bei der Arbeit am Bienenvolk oder er übernimmt in der Zwischenzeit die Organisation des Familienalltags. „Der Frühling und Sommer ist die arbeitsreichste Zeit. Da habe ich immer alle Hände voll zu tun. Helfende Hände sind hier Gold wert“, erzählt die Mutter dreier Kinder.
Mittlerweile wurde der Betrieb auf 130 Bienenvölker aufgestockt und die Imkerei auf biologische Betriebsweise umgestellt. Die letztjährige Honigernte verlief sehr zufriedenstellend: „Wir hatten nicht genügend Lagergefäße, so viel Honig ernteten wir“, gibt sich die Imkerin erfreut.

Jedes Jahr ist einzigartig

Elisabeth erinnert sich lebhaft an den Beginn: „Keine andere Tierhaltung ist so variabel in der Bestandszahl wie die Imkerei“. Geringer Honigertrag prägte die ersten Jahre. Abhängig vom Einsatz der Vegetationsphase beginnt das Imkerjahr entweder kalendarisch früher oder später. „Jedes Bienenjahr ist einzigartig. Am Ende des Jahres glaubst du, du weißt, wie es geht und im nächsten Jahr ist wieder alles anders. Man kann immer neue Erfahrungen sammeln“, so die Imkerin.
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Beim Hofrundgang (v.l): Betriebsleiterin Mag. Elisabeth Lanzer stellt DL-Leiter DI Rudolf Stockinger und Obmann ÖR Schachl die Imkereei "Luftland" vor. © LKOÖ/Weberstorfer

Das Beste für die Bienen

Elisabeth Lanzer achtet auf ein vielfältiges Nahrungsangebot für ihre Bienen. „Die Bienen fühlen sich dort wohl, wo es viel zu holen gibt“, erklärt Lanzer. Nach der Obstblüte wandert sie mit den Völkern wegen fehlender Folgetrachten zu Stellplätzen in umliegende Regionen. „Das Wandern ergibt sich derzeit aus einer Trachtnot heraus, soll aber zur Ertragssteigerung intensiviert werden, sobald die familiäre Situation dies zulässt“, so die Imkerin.

Gemeinsam profitiert man

Familie Lanzer legt großen Wert auf gute Zusammenarbeit mit den Grundbesitzern, weil dadurch beide wirtschaftlich durch eine mögliche Ertragssteigerung profitieren. Elisabeth Lanzer erklärt anhand von zwei Beispielen, wie eine gewinnbringende Kooperation zwischen Landwirtschaft und Imkerei bei ihr funktioniert. Einige Bienenvölker werden im Frühjahr zu Bestäubungszwecken auf einen Innviertler Apfelbaubetrieb verbracht. Ein Teil des dort geernteten Honigs wird dem Obstbauern zur Herstellung von Essig und Senf zur Verfügung gestellt.
Ein weiterer Standplatz wurde auf einem landwirtschaftlichen „Schaubetrieb“ eingerichtet, um dort die Biodiversität zu repräsentieren. Dieser Standplatz in der Nähe einer Au bietet optimale Bedingungen für die Frühjahrsentwicklung der Bienenvölker. Der gesamte dort erwirtschaftete Honigertrag wird über die Vertriebswege des Schaubetriebes vermarktet. Die Imkerei lebt von der Honiggewinnung, Herstellung von Bienenprodukten und Vermarktung von Jungvölkern. Ihren Honig vertreibt sie im Großgebinde, Hofladen und über den eigenen Webshop.

Betriebsspiegel

Familie: Mag. Elisabeth Lanzer, Juristin, Betriebsleiterin und Imkerfacharbeiterin; Dipl.-Ing. Ulrich Lanzer MSc, Unternehmensberater, Paulina (10), Baldur (7), Madita (1).
Betrieb: Erwerbsimkerei biologisch geführt, 130 Bienenvölker auf 7 Standorten, eigener Wachskreislauf; 6 ha LN davon 3 ha Grünland (verpachtet) und 2 ha Acker u Obstgarten und 1ha Wald; Tiere (Honigbienen; Hühner, Schafe…für Eigenbedarf), Produkte: Bio-Honige (Blüten-, Creme- und Waldhonig); Met- und Essigerzeugung ausgelagert, Völkerverkauf, Mitglied österreichischer Erwerbsimkerbund und Bio Austria.