Späte Honigtracht in Teilen Oberösterreichs gemeldet

In Oberösterreich wurde ein kleinlokales Auftreten von Waldtracht gemeldet. Für Imkerinnen und Imker sind späte Tannentrachten nicht unbedingt eine erfreuliche Sache. Das Eintragen von später Tannentracht kann fatale Folgen für (junge) Bienenvölker haben.
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Honigbiene sammelt Honigtau von Tannen © Bienenzentrum OÖ
Im südlichen Bereich des Kobernaußerwaldes honigt seit mehr als 14 Tagen die Tanne. In höheren Lagen des Mühlviertels (Böhmerwald, nordöstliches Freistadt) und auch im angrenzenden Waldviertel honigt die Fichte mit Melezitose.

Späte Tannentracht kann gefährlich werden

Wenn die Tanne honigt, dann kann die Tracht – je nach Witterung und Stabilität - der Lachnidenpopulation – bis in den Oktober hinein andauern. Für Imkerinnen und Imker ist eine späte Tannentracht nicht unbedingt erfreulich. Die Bienenvölker arbeiten sich sehr stark ab. Zum Zeitpunkt der Auswinterung sind die Völker oft sehr schwach. Sie sind stark verkotet und haben mit Ruhr (eine nicht ansteckende Darmerkrankung) zu kämpfen. Besonders schlimm ist es in Wintern mit langen Kälteperioden, in denen wenig oder keine Reinigungsflüge stattfinden können.
Die einzige „Rettung“ sind Winter mit häufigen Warmphasen für einen intensiven Reinigungsflug. Für Jungvölker (Ableger) können späte Tannentrachten katastrophale Folgen haben. Imkerinnen und Imker wandern deshalb in tannenfreie Gebiete, um einen gesunden und vitalen Völkerbestand für das kommende Jahr zu sichern.
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Honigtau © Bienenzentrum OÖ

Wie erkennt man späte Honigtautrachten?

Flugverhalten in der Früh: die Imkerin / der Imker sollte eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang zum Bienenstand schauen. Der Sonnenaufgang ist zurzeit um ca. 6 Uhr. Wenn da bereits voller Flugverkehr herrscht, dann honigt es.
Flugverhalten am Abend: normalerweise ist am Abend, um ca. 20 Uhr, längst Ruhe an den Fluglöchern, kommen allerdings noch zahlreiche Bienen in den Bienenstock, dann gibt es eine Honigtautracht.
Achtung: Das Drüsige Springkraut wird ebenfalls zu Sonnenaufgang, sehr intensiv angeflogen. Eine Verwechslung mit Honigtautrachten ist allerdings ausgeschlossen, da die Pollen vom Drüsigem Springkraut grau bis beige sind und der Brustbereich der Biene damit eingefärbt (eingepudert) ist.
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Tannen mit Honigtautracht erkennt man an den deutlich sichtbaren Spritzern auf den Blättern des Unterwuchses. © Bienenzentrum OÖ
Weiters empfiehlt sich eine ausgedehnte Wanderung durch den Wald zu den Tannen. Tannen mit Honigtautracht sind deutlich an den sichtbaren Spritzern auf den Blättern des Unterwuchses (Brombeeren, Buchen, Ahorn, Heidelbeeren usw.) erkennbar. Sie glänzen auffällig im Sonnenlicht.

Runde, klar abgegrenzte, Spritzer auf den Blättern sind ein Zeichen dafür, dass die Grüne Tannenhoniglaus (Cinara pectinatae; früher Bucheneres genannt) auf den Zweigen sitzt. Ausgefranste Spritzer deuten auf die Große Braunschwarze Tannenrindenlaus (Cinara confinis) hin. Beide Läuse können große Mengen an Honigtau produzieren.
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Tannen mit Honigtautracht erkennt man an den deutlich sichtbaren Spritzern auf den Blättern des Unterwuchses. © Bienenzentrum OÖ

Was kann man als Imker tun?

  • Abwandern der jungen Bienenvölker (Ableger) in Lagen ohne Tannen oder in tiefere Lagen. Dort honigt derzeit die Tanne nicht, sofern sie in den Wäldern vorkommt.
  • Absperrgitter auflegen und Honigraum aufsetzen. Und zwar rasch, damit die Bienen oben Platz haben und nicht den Brutraum mit Honigtau verhonigen. Wenn es wirklich eine Honigtautracht ist, dann bauen sie auch Mittelwände aus. Bei zu wenig verfügbaren ausgebauten Waben, können Mittelwände abwechselnd mit ausgebauten Waben reingehängt werden.
  • Achtung: Derzeit noch keine vollen Waben aus dem Brutraum nehmen (um sie auszuschleudern). Die stattdessen reingehängten Leerwaben werden nur wieder mit Honigtau angefüllt. Ideal für den Honigraum wären bebrütete Waben, weil sie schneller angenommen und mit Honig gefüllt werden.
  • Es dauert etwas, bis der Honig in den Brutraum (obere Zarge) gelangt. Die heimkehrenden Trachtbienen lagern ihren Honigtau möglichst rasch in den ersten zur Verfügung stehenden leeren Zellen in der unteren Zarge ein. Von dort wird der Honigtau dann von den im Stock befindlichen Bienen aufgenommen, umgearbeitet und langsam immer weiter nach oben getragen. Die Königin ist damit stark in ihrer Eiablage eingeschränkt, weil die Bienen die leer werdenden Zellen rascher mit Honig anfüllen, als die Königin mit dem Eierlegen nachkommt. Darum werden die Völker in späten Tannentrachten gegen Trachtende hin auch immer schwächer (Bienenvölker arbeiten sich sehr stark ab).
  • Sollte es sich um eine wirklich gute Tannentracht handeln, dann darf man die Menge des eingetragenen Honigs nicht übersehen! Wenn die aufgesetzte Honigzarge zur Hälfte voll ist, sollte man eine zweite Honigzarge über das Absperrgitter (also unter die bereits aufgesetzte Honigzarge) setzen. Die Bienen brauchen ausreichend Platz, damit sie nicht den Brutraum zu sehr anfüllen. Das ist insofern wichtig, weil sie um diese Jahreszeit den Honig (oder normalerweise das Futter) mit Vorliebe rund ums Brutnest einlagern.

Unterschied Tannenhonig – Melezitose – Blütenhonig

Honig aus Honigtau schmeckt (meistens) sehr würzig bis malzig. Der Honigtau der Tanne ist dunkel. Melezitose erkannt man zuerst am eher matten Glanz in den Zellen; später ist der Inhalt der ersten Zellen kristallisiert. Blütenhonig ist eher hell und schmeckt duftig, süß, blumig.

Heuer auffällig

Ende Juli und im August haben die Bienen vielerorts noch verschiedene Blütentrachtquellen gefunden. Viele Völker sind sehr gut mit Futter versorgt, auch wenn noch vergleichsweise wenig eingefüttert worden ist. In solchen Fällen sind die Bienenstände am Morgen und am Abend zu kontrollieren. Wenn da eher Ruhe ist (siehe Flugverhalten in der Früh/ am Abend), dann braucht man sich keine Sorgen wegen Honigtautracht machen. Mit Honig aus unterschiedlichsten Blüten werden die Bienen den Winter gut überstehen.