Biodiversitätsförderung im Ackerbau - Bildungsveranstaltung in der Schweiz

Am 18. Juni 2019 fand eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema Biodiversitätsförderung im Ackerbau in der Schweiz am Stickhof Wülflingen statt. Dr. Petra Haslgrübler, Bienenzentrum OÖ und Dr. Marion Seiter, Pflanzenschutz LKOÖ haben daran teilgenommen um neue Erkenntnisse zu gewinnen.
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eine wunder schöne Blühstreifenfläche mittem im Getreide; Anlage 04.Mai © Bienenzentrum OÖ

Ressourcenschonende Maßnahmen im Ackerbau zur Förderung der Feldlerche - von Dr. Eva Knop (Schweizer Vogelwarte Sempbach)

Es wurden Maßnahmen vorgestellt um bedrohte Vogelarten im Ackerbau gezielt zu fördern. Ein großes Anliegen in der Schweiz ist es auch, dass Bodenschonend gearbeitet wird und natürlich auch möglichst Herbizidfrei. Es gibt einige Versuche mit Direktsaaten und Untersaaten bei Mais. Diese Methoden sind allerdings schwer umzusetzen, da die Konkurrenzkraft im Mais sehr stark ist und natürlich die fehlende Akzeptanz in der Landwirtschaft. Als zweite Maßnahme wurden die Feldlerchenfenster vorgestellt. Durch die Evaluierung einer Masterarbeit wurde festgestellt, dass diese Fenster keinerlei Auswirkungen auf das Brutgelege der Feldlerchen haben. Eines allerdings wurde erkannt, dass die Weitsaat sehr große Auswirkungen auf den Feldlerchenbestand hat. Hier wird bei der Anlage jede 2. Reihe ausgelassen. Es entstehen somit Lande- und Startbahnen und auch Futterangebot (Laufkäfer, Nutzlinge, …) für die Feldlerchen. Feldlerchen sind standorttreu und sollten unbedingt dort gefördert werden wo diese noch vorkommen.
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Fläche Untersaat Weizen © Bienezentrum OÖ

Weitsaat im Weizen und Begrünungen im Mais - Serge Braun, Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften HAFL

Diese Maßnahmen sollen u.a. zur Förderung der Feldlerche beitragen, enthalten aber auch weitere spannende ackerbauliche Rezepte, die in Hinblick auf „Errosionsschutz“ wichtig werden. Durch die Weitsaat entstehen keine nennenswerten Ertragsverluste, allerdings eignet sich nicht jede Sorte und es kommt immer auf den Bestockungsgrad an. Um den Unkrautdruck zwischen den Reihen so gering wie möglich zu halten werden konservierende Anbausysteme empfohlen: Die Ansaat einer absterbenden Gründüngung im Sommer unmittel-bar nach der Ernte oder der Anbau von z.B. Winterweizen mittels Direktsaat in eine dichte Gründüngung. Bei Bodenbearbeitung soll eine Untersaat im Frühling gemacht werden. Die Begrünung im Mais ist eine besondere Herausforderung, da hier die Unkrautkonkurrenz zum Mais zu hoch ist. Bei einer mechanischen Unkrautbekämpfung können die Eigelege der Feldlerchen zum Problem werden. In der Schweiz darf ab Mitte Mai daher keine Bearbeitung durch Striegel oder mit sonstigen Hackgeräten durchgeführt werden. Im Mais wird v.a. mit Leguminosenmischungen (Weißklee) gearbeitet. Ab Herbst dieses Jahres werden auch Ertragsdaten zu den Versuchen zur Verfügung stehen. Zur Begrünung in Mais wurden außerdem Hackgeräte mit Bandspritzung entwickelt.

Lerchenprojekt Züricher Wald - Beartice Peer, Andelfinger Naturschutzvereines

Hier werden Maßnahmen für Ackervögel unterstützt. Der Verein unterstützt Landwirte mit Prämien, Saatgut, Beratung und stellt Personen zu Verfügung die bei der Bekämpfung von Neophyten (Berufskraut) helfen. Da die Feldlerchen auf eine mittlere Deckung angewiesen ist werden pro Lerchenfenster Saagutsäckchen verteilt die eingesät werden müssen. Kommunikation und Bewusstseinsbildung ist eine der wichtigsten Aufgaben des Vereines. Es geht immer nur miteinander und nicht gegeneinander. Es handelt sich um einen Gemeinnützigen Verein der mit Spendengelder arbeitet. Mit diesen Geldern werden Projekte für die Landwirte umgesetzt. Der Verein ist dem Naturschutzbund Oberösterreich sehr ähnlich.
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gemeinses Vusperkraut © Bienenzentrum OÖ

Förderung seltener Ackerbegleitpflanzen auf extensiven Äckern - Nina Lohri

Es ist ein Projekt das von 2018 – 2023 läuft und es wird versucht den Extensiv Acker als Lebensraum zu sichern und zu erhalten. In Oberösterreich gibt es ein ähnliches Projekt der Naturschutzabteilung des Landes OÖ. Mehr dazu finden sie unter Ackerbeikrautprojekt Land OÖ

Feuchtackerprojekt (FAF-Projekt) Reis eine interessante Option? - Thomas Walter Agroscope

Für uns nicht ganz nachvollziehbar war das Feuchtackerprojekt. Flächen, die periodisch stark von Grund-, Hang- oder Stauwasser beeinflusst werden sind nicht ausreichend produktiv. Es wurde daher ein Projekt ins Leben gerufen um den Nassreis zu etablieren. Ziel ist es sowohl zu produzieren als auch die Biodiversität zu fördern. Reisfelder bieten offenbar einen Lebensraum vieler in der Schweiz stark gefährdeter Arten. Die Flächen müssen von Ende April bis mind. Mitte Juli temporär geflutet werden. Chemischer Pflanzenschutz soll vermieden werden. Erste Versuche zeigen, dass der Nassreisanbau grundsätzlich möglich ist, die Kulturführung muss aber noch verbessert werden.
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Einjähriger Blühstreifen © Bienenzentrum OÖ

Ökologische Funktion von Blühstreifen und Bedeutung für die Landwirtschaft - Katja Jacot, Agroscope

Blühstreifen haben eine maßgebende Bedeutung in der Kulturlandschaft und fördern die Bestäubung, sind Nahrungsgrundlage, bieten Nistmöglichkeit und fördern Nützlinge. In der Schweiz werden unterschiedliche Brachen, ein- und mehrjährige Blühstreifen unterschiedliche gefördert. Unter bestimmten Umständen ist es möglich im Ackerbau eine Insektizidmaßnahme einzusparen, wenn Nützlingsstreifen im Feld angebaut werden. Dies ist im Sinne einer integrierten Produktion wie sie von Seiten der EU gefordert wird (lt. RL 2009/128 EG) und eine Chance die kommenden Probleme, die durch den Wirkstoffverlust im chemischen Pflanzenschutz auf uns zukommen etwas abzufedern. Im Biolandbau sind Nützlingsstreifen (da sie viele Gegenspieler von Schädlingen beherbergen) schon jetzt eine wichtige Pflanzenschutzmaßnahme. Untersuchungen zeigen, dass je länger ein Blühstreifen besteht umso weniger Blütenvielfalt weist dieser auf und der Grasanteil nimmt rapide zu. Bei der Attraktivität für Bienen und blütenbestäubenden Insekten nimmt diese auch ab. Laut unserer Interpretation der Untersuchungen sollte ein Blühstreifen maximal 3-4 Jahre bestehen bleiben damit dieser auch Wirkungsvoll ist. An der Agroscope werden unterschiedliche Saatgutmischungen permanent getestet und weiterentwickelt. Die Wirkung der Blühstreifen für Nützlinge ist ein wichtiger Aspekt. Anhand einer Dissertation wurde die Förderung von Nützlingen bei Getreide untersucht. Diese zeigen, dass mit der Förderung von Nützlingen 61% weniger Schanden durch Getreidehähnchen und 77 % weniger Schädlinge durch Blattläuse entstanden. Generell ist zu sagen, dass eine artenreiche Saatgutmischung wirkungsvoller ist als eine Reinsaat mit zB. Kornblume. Blühstreifen haben Potential, allerdings muss die Anlage und der Standort passen und es braucht viel Bewusstseinsbildung dafür.
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Mehrjähriger Blühstreifen im 2. Jahr © Bienenzentrum OÖ

Exkursion zu den Blühstreifen

Nach den Vorträgen haben wir uns verschiedene Blühstreifen und Brachen angesehen. Das Versuchsfeld zeigte leider nicht das was wir erwartet hatten. Es wurden verschiedenen Brachen die zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt angelegt wurden gezeigt. Die Blütenvielfalt war auf den mehrjährigen Flächen sehr gering, da diese stark vergrast waren. Die Blühflächen werden nie gemäht und bleiben je nach Brache 4 – 8 Jahre bestehen. In der verwendeten Saatgutmischung sind zwischen 20 und 30 verschiedene regional produzierte Arten. In der Schweiz werden die Flächen sehr gut gefördert. Je nach Brache/Blühflächen werden zwischen 2000 FR/ha/Jahr – 3400 Fr/ha/Jahr. Wichtig ist, die ursprüngliche Fläche auf der die Blühstreifen angelegt werden muss unkrautfrei und Nährstoffarm sein. Für den Erfolg der Blühstreifen ist eine ordentliche Vorbereitung des Saatbeetes unumgänglich. Die einzige Pfle-gemaßnahme die Empfohlen wird ist ein Reinigungsschnitt nach der Anlage ansonsten sollte keine Mahd erfolgen. Eine weitere Empfehlung war, dass einjährige Blühstreifen nicht auf der gleichen Fläche wieder angelegt werden sollten. Achtung ist bei Ackersenf geboten – dieser wurde im zweiten Jahr dominant
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ein Blick auf den Blühstreifen © Bienenzentrum OÖ

Fazit der Bildungsveranstaltung:

  • Wir in Oberösterreich sind auf dem richtigen Weg.
  • Kommunikation und Bewusstseinsbildung ist das um und auf für die Etablierung von Blühstreifen.
  • Die Verwendung von regional zertifizierten Saatgut muss forciert werden.
  • Keine einjährigen Blühstreifen auf dieselbe Fläche im Folgejahr.
  • Kulturarten sind wichtig als Deckfrucht damit ein Bodenschluss gegeben ist und es nicht zur Verunkrautung kommt.
  • Vorbereitung des Saatbeetes ist extrem wichtig.
  • Unkrautfreie und nährstoffarme Flächen sind wichtig um artenreiche Blühstreifen zu bekommen
  • Biodiversitätsflächen sollten über die Direktvermarktung abgegolten werden – dem Konsument ist Biodiversität etwas wert – es muss nur bekannt sein.
  • Keine Blühstreifen neben dem Waldrand oder dicht befahrenen Straßen.
  • In der Schweiz wird schon lange an Blühstreifen gearbeitet und es findet trotzdem keine Akzeptanz.
  • In der Schweiz werden Blühstreifen ordentlich finanziell abgegolten und es funktioniert trotzdem nicht. Grund dafür ist oft, dass vielgliedrige Blühstreifen sich nur auf mageren Standorten optimal entwickeln; Äcker sind aber nicht nährstoffarm. Landwirte gehen daher dazu über, sie auf Flächen anzubauen, die sowieso niedrigere Erträge bringen.
  • Durch Blühstreifen kann der Einsatz von Insektiziden verringert werden. Es müssen Anreize (monetär) geschaffen werden, um die Anlage von Blühstreifen attraktiver zu machen.

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