Bienentrachtbrache – Nutzung und Pflege

Die neue Schlagnutzungsart „Bienentrachtbrache“ wurde in Oberösterreich heuer gut angenommen. 656 Ackerbaubetriebe haben erstaunliche 437 Hektar beantragt. Zurzeit erkundigen sich Betriebe, zu welchem Zeitpunkt die Bienentrachtbrache der Futternutzung zugeführt und/oder welche Pflegemaßnahme durchgeführt werden darf.
Viele Bienentrachtbrache-Flächen sind in OÖ nahezu verblüht. Einzelne Landwirte denken bereits an den Umbruch der Fläche. Dieser ist aber erst ab dem 1. September zugelassen. Aufnahme vom 10.08.2018 in Hörsching. .jpg
Viele Bienentrachtbrache-Flächen sind in OÖ nahezu verblüht. Einzelne Landwirte denken bereits an den Umbruch der Fläche. Dieser ist aber erst ab dem 1. September zugelassen. Aufnahme vom 10.08.2018 in Hörsching. © Bienenzentrum OÖ
Mit der Bienentrachtbrache als Schlagnutzungsart im Mehrfachantrag (MFA) gibt es seit heuer eine aufgewertete Alternative zur "normalen" OVF-Grünbrache (mehr Info‘s unter Bienentrachtbrache: Ganz neu - oder doch nicht? ).

Aufgrund der Trockenheit im Jahr 2018 treten etwaige Unklarheiten hinsichtlich Nutzung für Futterzwecke und Pflegemaßnahmen auf. Der Beitrag beschränkt sich auf wenige Fragestellungen. Für weitere Fragen steht die INVEKOS-Servicenummer zur Verfügung: 050/6902-1600.

Nutzung von Bienentrachtbrachen

Bienentrachtbrachen dürfen ab 1. September für Futterzwecke genutzt werden – unabhängig von einer allfälligen Trockenheit und OHNE Korrektur der Schlagnutzungsart. Die Brachezeit erstreckt von 1. Jänner bis 31. August. In diesem Zeitraum ist eine Nutzung untersagt.

Achtung: Je nach Saatgutzusammensetzung ist die Futtereignung von Bienentrachtbrachen nur bedingt möglich. Z.B. Phacelia und Borretsch sind für die Fütterung nicht geeignet.
 

Pflegemaßnahmen

Max. eine Pflegemaßnahme ist in der Brachezeit von 1. Jänner bis 31. August erlaubt. Mahd oder Häckseln sind erlaubt; der Aufwuchs darf aber bis 31. August nicht von der Fläche abtransportiert werden.
Im Antragsjahr von 1. Jänner bis 31. Dezember muss aber mind. eine Pflegemaßnahme stattfinden: wobei ab dem 1. September die Fläche umgebrochen werden darf bzw. auch eine Futternutzung erfolgen darf.

Achtung: Die Pflegemaßnahme bitte außerhalb der Bienenflugzeit durchführen, da noch immer viele Honig- und Wildbienen auf Pollen- und Nektarsuche sind.
 
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Viele Hummelköniginnen sind auf der Suche nach nektarreichen Blütenpflanzen. © Bienenzentrum OÖ

Oberösterreich ist Vorreiter

Die neue Schlagnutzungsart hat in Oberösterreich voll eingeschlagen. In Österreich wurden insgesamt 720 ha beantragt, davon allein 437 ha in Oberösterreich.

Übersicht Beantragte Bienentrachtbrache-Flächen in Hektar nach Bundesland.

Bundesland Schlagnutzungsart Anzahl Betriebe Fläche in Hektar
Burgenland Bienentrachtbrache 4 2,1212
Kärnten Bienentrachtbrache 41 51,4399
Niederösterreich Bienentrachtbrache 200 177,991
Oberösterreich Bienentrachtbrache 656 437,0814
Steiermark Bienentrachtbrache 81 51,1118
©Krumphuber/LKOÖ

Witterung beeinflusste Erfolg maßgeblich

Die Witterung hatte in diesem Jahr einen großen Einfluss auf die Entwicklung der einzelnen Saatgutkomponenten genommen. In Oberösterreich wurde heuer noch kein einziger flächendeckender Landregen registriert. Bloß lokale kleine Gewitterregen unterbrachen die langanhaltende Trockenheit, meist begrenzt auf ein Gemeindegebiet. Vor allem der Zentralraum und die Bezirke Ried und Braunau sind von der Trockenheit stark betroffen.
Angelegte ÖVF-Fläche "Bienentrachtbrache" mit der Saatgutmischung „Bienentrachtbrache“ der Saatbau Linz in Kirchberg-Thening: wenig starker Unkrautdruck; Kleesorten (Inkarnat- und Perserklee) sehr dominant; andere Komponenten, wie Malve, Ringelblume, Phac
Angelegte ÖVF-Fläche © Bienenzentrum OÖ
Das extreme Niederschlagdefizit und die anhaltende Trockenheit führten dazu, dass der Unkrautdruck auf einzelnen Flächen sehr hoch war. Zum Ärgernis vieler Landwirte sprossen vor allem die Melde und der weiße Gänsefuß in die Höhe und unterdrückte beziehungsweise verlangsamte zum Teil den Aufwuchs von einzelnen Blütenpflanzen.

Der Erfolg von Blühflächen hängt prinzipiell von verschiedenen Faktoren ab: Auswahl der richtigen Blühmischung, entsprechende Saatbettvorbereitung, Saatgutstärke, geeignete Ansaatmethode, richtige Pflege, u.v.m.
ÖVF-Flächen mit der Schlagnutzungsart "Bienentrachtbrache" entwickelten sich auf den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich; teils mit hohen Unkrautdruck. Pflegemaßnahmen sollten nur dann durchgeführt werden, wenn der Unkrautdruck das tolerierbare Maß
ÖVF-Flächen mit der Schlagnutzungsart „Bienentrachtbrache“ entwickelten sehr unterschiedlich; teils mit hohen Unkrautdruck. Pflegemaßnahmen sollten nur dann durchgeführt werden, wenn der Unkrautdruck das tolerierbare Maß überschreitet. © Bienenzentrum OÖ
Die Anlage der Blühflächen erfolgte bis im April bis spätestens 15. Mai. Alle Flächen, die zu Beginn der Vegetationsperiode angelegt wurden und über genügend Feuchtigkeit verfügten, haben die anhaltende Trockenperiode gut überstanden.

Auch wenn die Witterung im Zeitraum der Aussaat nicht optimal war, war davon auszugehen, dass die Bedingungen für die erfolgreiche Etablierung für einen großen Teil der enthaltenen Saatgutkomponenten ausreichend waren. Der Konkurrenz durch Unkräuter war auf einzelnen Ackerböden so hoch, dass einige Landwirte eine Pflegemaßnahme bereits während der Brachezeit durchführen mussten.
 
Scheckenfalter auf Wiesenflockenblume © Archiv

Bienentrachtbrache schafft Mehrwert für Insekten

Bienentrachtbrachen müssen aus mindestens 4 insektenblütigen Mischungspartnern bestehen. Beim Anbau von mehrjährigen (winterharten) Mischungen müssen die insektenblütigen Mischungspartner auch in den Folgejahren vorherrschen. Nicht nur die Honigbiene, sondern viele Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen nutzen das artenreiche und abwechslungsreiche Nahrungsangebot auf den „Bienentrachtbrachen“.
Durch die Blühflächen wird das räumliche Trachtangebot in unserer Kulturlandschaft nachhaltig verbessert. In Bezug auf die Vitalität bzw. Abwehrkraft der Bienen ist die Ernährung von enormer Bedeutung. Nektar und Pollen müssen Bienen sowie anderen blütenbestäubenden Insekten kontinuierlich zur Verfügung stehen. Lücken im Nahrungsangebot während der Brutzeit führen zu Wachstumstopps bei Bienenvölkern – mit der Konsequenz, dass die Bienen anfälliger gegenüber Krankheiten (z.B. Varroose) und Viren sind.
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Eine Biene auf Pollensuche © BienenzentrumOÖ