Bienen-Saison 2019 gestartet

Der Winter für die Bienen ist zu Ende und der Frühling klopft mit seinem ersten pollen- und nektarreichen Trachtangebot an. Für unsere Bienen bedeutet dies den Start in die Bienen-Saison 2019.
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Die (Wild-)kirsche ist eine beliebte Trachtpflanze für unsere Honigbienen, da sie ohne lange Suche große Mengen an Nektar und Pollen finden © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ

Der Frühling ist da

Die ersten Massentrachten wie Kirsche und Löwenzahn drängen unsere Honigbienen stark in die Aufwärtsentwicklung. Die Königin ist intensiv mit der Bruttätigkeit beschäftigt. Für die müden und abgearbeiteten Winterbienen ist ihre (Lebenszeit-)Zeit zu Ende. Diese sterben in der Regel Ende März oder Anfang April ab.

Die ersten Generationen der Sommerbienen sind bereits geschlüpft. Die Wintervorräte an Pollen und Nektar (durch Winterfutter – Zuckerwasser ersetzt) gehen langsam zur Neige. Die frühlingshaften Temperaturen nutzen die jungen Sommerbienen nun zum Ausfliegen um die Nektar- und Pollenvorräte wieder aufzufüllen.
 
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Totes Bienenvolk: Plötzlich abgestorben und heruntergefallen. Ursache ist vermutlich zu hoher Virusbesatz. © Bienenzentrum OÖ

Herbst- und Winterverluste gemeldet

Wie erwartet ist es letzten Herbst und Winter zu Völkerverlusten gekommen. Regional verteilt war der Varroabefall und Virendruck in den Bienenvölkern teils sehr hoch. Bereits im Frühherbst hatten Imkerinnen und Imker erste Völkerverluste gemeldet. Entweder fielen ganze Völker auf das Bodenbrett oder sie starben meist rasch nach dem Schlüpfen und verendeten in der Brutzelle.
 
Über das Ausmaß der Winterverluste 2018/19 wurden noch keine öffentlichen Zahlen bekannt gemacht. Aber von einem landesweit flächenhaften Auftreten von (hohen) Völkerverlusten ist eher nicht auszugehen.
 

Varroa und Viren sind das Problem

Ursache für die Völkerverluste waren ein Mix aus Wetterlage, ein daraus bedingt hoher Varroadruck und starker Virenbefall und schwierige Bedingungen für eine erfolgreiche Ameisensäure-Behandlung im Hoch- und Spätsommer. Zudem gingen manche Bienenvölker bereits mit einer hohen Startpopulation an Milben in die Bienen-Saison 2018. Die kritische Milbenzahl wurde im Sommer dadurch früher erreicht.
Nicht nur die Imker kamen letzten Sommer ins Schwitzen. Viele Bienen suchten „Abkühlung“ vor dem Flugloch_ © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ
Die Hitzetage mit mehr als 30°C im Juli und August für eine Ameisensäurebehandlung waren sehr riskant. Einige Imkerinnen und Imker führten die erste Hauptentmilbung mit Ameisensäure erst Ende August durch. Dadurch hatte die Varroamilbe in den Hochsommermonaten ausreichend Zeit sich explosionsartig zu vermehren. Die Schadensschwelle wurde somit rasch erreicht. Einhergehend mit Varroa vermehrten sich auch die Viren. So kam es, dass auch starke Völker innerhalb weniger Tage kippten.

Die witterungsbedingten warmen Temperaturen und das teilweise nektar- und pollenreiche Blühangebot - verursacht durch spät blühende Zwischenfrüchte und Waldtracht - hielten die Winterbienen im Oktober und November zudem ordentlich auf Trab.
Entwicklung der mittleren Wintertemperatur (blau) und Sommertemperatur (rot) in Österreich 1767–2017.png
Entwicklung der mittleren Wintertemperatur (blau) und Sommertemperatur (rot) in Österreich 1767–2017. Dargestellt sind jährliche Abweichungen vom Mittel der Jahre 1961–1990 (dünne Linien) und deren geglättete Trends (dicke Linien). © ZAMG

Temperaturentwicklungen beeinflussen Bienengesundheit

Seit vielen Jahren beenden die Bienenvölker immer später ihre Bruttätigkeit. Ursache sind Temperaturveränderungen. Die mittleren Winter- und Sommertemperaturen (siehe Abbildung 1) sind seit 1980 (WT verzögert, ST stärker) stetig gestiegen. Es gibt keine wirklich tiefen Temperaturen und keine lange Frostperiode mehr. Die Trendkurze verdeutlicht eine weitere Steigerung.
 
Die Entwicklung wird dahingehend laufen, dass Bienen länger in Brut bleiben. Brut bis in den Dezember wird immer öfter möglich sein. Die brutfreie Phase wird immer kürzer, bis teils gar nicht mehr (auch ohne blühende Zwischenfrüchte!).
 
Ganzjähriger Blick in die Varroatassen ist wichtig_ die Varroamilbe im Auge zu behalten und konsequente Maßnahmen setzen ist das Um und Auf! © Frühwirth/Bienenzentrum OÖ

Angepasstes Varroamanagement wichtig

Es ist zu erwarten, dass heuer einige Völker wieder mit einer relativ hohen Startpopulation an Milben in die Frühjahrsentwicklung gehen werden. Die kritische Milbenbefallzahl (10 Milben pro Tag) könnte im Sommer damit früher erreicht werden, mit der Konsequenz die Varroamilbe erneut schwer im Griff zu haben.
 
Die witterungsbedingten Entwicklungen der letzten Jahre fordern Imkerinnen und Imker zunehmend, ihre bisherigen Varroa-Bekämpfungsmaßnahmen zu überdenken und anzupassen. Es ist daher wichtig, sich das Gefahrenpotential bewusst zu machen und konsequent entsprechende Maßnahmen zur Reduktion der Milbenpopulation durchzuführen, um vorzeitige Varroaschäden zu vermeiden.
 

Maßnahmen zur Reduktion der Milbenpopulation

  • Frühzeitig Drohnenbau im Baurähmchen ermöglichen und im verdeckelten Zustand ausschneiden. Wenn möglich, auch im hohen Magazinboden bauen lassen und zeitgerecht entfernen. Solange, bis kein Drohnenbau mehr errichtet bzw. bebrütet wird.
  • Schaffung einer saisonalen Brutpause durch Brutfreimachung (z.B. komplette Brutentnahme)
  • Varroabekämpfung mit Ameisensäure möglichst frühzeitig im Laufe des Julis, wenn Waldhonigernte abgeschlossen ist. Die Winterbienengeneration soll mit möglichst wenig Milbenbelastung aufwachsen können.
  • Beobachtung des natürlichen Milbenabfalles ab Juni.